3 – Die (ganz) frühen Jahre


Wenn man an Brian Yuzna, Dario Argento, Mario Bava und all die anderen italienischen und spanischen Horror-Regisseure denkt, kann man nicht umhin, den südländischen Völkern ein besonderes “Fingerspitzengefühl” für den Horrorfilm zuzusprechen.

Mich hat es jedenfalls nicht sehr verwundert, dass der eigentliche Gründer der Hammer-Studios ein nach England ausgewanderter Spanier gewesen ist: Enrique Carreras.

1913 eröffnete er dort sein erstes Kino, das “Blue Halls”, mit 2000 Sitzen und in zwei Vorstellungsräume aufgeteilt, die jeweils unterschiedliche Filme zeigten. Viele bezeichnen dieses Kino als das erste Multi-Plex. Carreras weitete sein Unternehmen zu einer ganzen Kino-Kette aus.

1928 gründete Carreras dann “Exclusive Films”, eine Verleih-Firma für den englischen Markt.


1932 bildete Carreras zusammen mit William Hinds, einem Juwelenhändler der auch im Vaudeville-Theater unter dem Namen Will Hammer auftrat, eine Partnerschaft. Zusammen sicherten sich die beiden die Vertriebsrechte an diversen “British Lion”-Filmen.

Hinds gründete im November 1934 die “Hammer Productions”, 1935 beschlossen Hinds und Carreras Vertriebspartner unter der “Exclusive Films Ltd.” zu werden, realiter waren beide Firmen jedoch stark verwoben.


Hammer veröffentlichte nach dem Kurzfilm “Polly’s Two Fathers” ihren ersten Spielfilm 1935: “The public life of Henry the Ninth”, eine 60minütige Komödie über den Aufstieg und Untergang eines Londoner Straßenkomödianten wurde von der Presse recht positiv aufgenommen.

Es folgte ein Kriminalfilm mit Bela Lugosi: “The Mystery of the Marie Celeste” wurde im Sommer 1935 gedreht und erzählt die Geschichte vom Fund eines verlassenen Schiffes 1872 im Atlantik. Hier spielen keine Aliens eine Rolle, kein Seemannsgarn, keine Monster – es handelt sich schlicht und ergreifend um einen Krimi. Auch dieser Film wurde gut aufgenommen.


1936 beginnt Hammer innovativer zu werden und mit Tabus zu brechen: in dem Film “Song of Freedom” wird die Hauptrolle von einem Schwarzen gespielt – Paul Robeson, ein Opernsänger, der sich massiv gegen Rassenhass einsetzte und damit später seine Karriere verbaute.

In dem Film wird ein Londoner Dock-Arbeiter als Gesangstalent entdeckt und macht Karriere. Der Dockarbeiter erfährt, dass er der König eines afrikanischen Stammes ist und kehrt in seine Heimat zurück, um den Stammesmitgliedern Erziehung und Erleuchtung zu bringen. Dort hat er den Medizinmann gegen sich. Erst, als er ein Lied, dass er auf dem Schoss seiner Mutter gelernt hatte, singt, während er verbrannt werden soll, ein Lied dass wohl das Stammeslied ist, wird der Medizinmann gestürzt und er auf den Thron gesetzt.

Obwohl es für die damalige Zeit sehr gewagt war, einen schwarzen Schauspieler in einem Film auftreten zu lassen, bekam auch dieser Film in der Mehrzahl gute Kritiken.


1937 folgten noch ein paar Kurzfilme und zwei Spielfilme (“The Bank Messenger Mystery” und “Sporting Love”).

Die Produktion von Filmen wurde bis 1939 so langsam heruntergefahren, 1939 schien Hammer zum ersten Mal keine aktive Produktionsfirma mehr zu sein.


Die Söhne von Carreras und Hinds stießen 1939 zu Exclusive Films Ltd., hatten aber aufgrund des zweiten Weltkrieges nur einen kurzen Gastauftritt dort, und kamen beide erst nach dem Krieg wieder zurück in die Firma.


Exclusive Films vertrieb weiter Filme, aufgrund der engen Verwobenheit von Hammer Films und Exclusive Films wurden viele Filme dieser Zeit irrtümlich als Hammer-Filme deklariert.

Nach dem Krieg wurden wieder mehr Filme aus England gefordert, was 1947 dazu führte, dass Hammer Films als Subunternehmen von Exclusive Films reaktiviert wurde. 1948 kam das erste Produkt der reaktivierten Hammer-Studios raus: “River Patrol”. Danach folgte die Adaption einer sehr erfolgreichen Radioshow von 1940, die “Special Agent Films” um “Dick Barton”.


Der Erfolg führte dazu, dass im Februar 1949 Hammer wieder als eigenständige Firma registriert wurde, die “Hammer Film Productions Limited”.