6 – Der langsame Tod

Die Qualität der Hammer-Filme war lange “gleichbleibend” – ein Erfolgsrezept wurde nicht verändert, man folgte bei den Horrorfilmen einem starren Schema. Wozu etwas ändern, wenn es gefragt ist?

Die 60er hindurch florierte Hammer dennoch, als die bisherige “Masche” gegen Ende der 60er nicht mehr so ganz zog besann man sich auf eine einfache zusätzliche Formel: “Sex sells.”

Nicht, dass Hammer nicht bisher auch schon für die schönen Frauen in seinen Filmen bekannt gewesen wäre. Einige der Frauen wurden durch Hammer Stars, von anderen weiss man heute nicht mal mehr, was nach der letzten Klappe aus ihnen geworden ist (im wahrsten Sinne des Wortes!), aber dass immer was für das Auge dabei ist, dessen konnte man sich sicher sein.


Nun wurden die Kleidungs-Stoffe jedoch durchsichtiger, die Mädchen darunter nackter, und die Auswahl berechnender – nur so konnten schlussendlich wunderhübsche Zwillings-Playmates in dem Hammer-Film “Twins of Evil” auftreten, die nicht mal in der englischen Fassung ihre eigenen Stimmen behalten konnten, sondern synchronisiert werden mussten. Dieser Trend hin zur sexuellen Spannung in den Filmen fand seinen negativen Höhepunkt jedoch schon 2 Jahre früher im Film “Frankenstein must be destroyed”. Eine für den Film unsinnige und dem Charakter Frankenstein vollkommen gegen den Strich spielende Vergewaltigungs-Szene, die weder Peter Cushing noch seiner Partnerin Veronica Carlson schmeckte, wurde trotz heftigen Protestes der beiden gedreht. Cushing entschuldigte sich seinem realen Charakter entsprechend VOR dem Dreh der Szene bei seiner Partnerin.


Besonders im Umbruch befand sich Hammer 1967. ABPC – mittlerweile Vertriebsfirma der Hammer-Filme – erzwingt einen Umzug von den Bray-Studios zu den APBC-eigenen Elstree-Studios. Auf der Strecke blieb dabei der familiäre Charakter von Hammer – nun arbeitete keine eingeschworene und ideenreiche Crew mehr auf engsten Raum zusammen, und den Mitarbeitern fehlte sicherlich auch die legendäre Küche von Mrs. Thompson. Der Trend zu mehr Sex und Blut und die zunehmend unpersönlicher werdende Firmenstruktur ließen viele langjährige Mitarbeiter Hammer den Rücken kehren

Zudem begann die britische Filmindustrie Anfang der 70er aufgrund des aufkommenden Farbfernsehens finanziell zu kränkeln, die Einnahmen an den Kinokassen nahmen rapide ab.

Hammer war 1971 weit entfernt vom finanziellen Erfolg. Nach mehr als einem Jahrzehnt schien die typische Hammer-Mischung so langsam langweilig zu werden. Es wurden neue Wege gesucht und man versuchte Vampirstorys mit Erotik und Nacktheit als auch einem Schuss Lesbian aufzupeppen. Diese Filme, die man zu den “Carmilla” bzw. “Karnstein” Serien zählt, fokussieren sich auf einen weiblichen Vampir mit einer Vorliebe für Frauen. Der erste Film dieser Art “Vampire Lovers” zeigt Ingrid Pitt als bisexuelle Vampirin. Sie drehte für Hammer später ebenfalls “Countess Dracula”.

In der Karnstein-Trilogie folgten “Lust for a Vampire” und schließlich “Twins of Evil” (der den absolut bescheuerten deutschen Titel “Draculas Hexenjagd” trägt, obwohl Dracula natürlich nicht auftritt – aber der Name war immer noch Zugpferd, zuvor schon wurde der Film in den USA in “Draculas Twins” umbenannt).


Gleichzeitig produzierte Hammer Spin-Offs britischer Sitcoms, ganz vorne mit dabei die “On the Busses”-Trilogie.


Zu dieser Zeit ging James Carreras in Rente und überlies seinem Sohn Michael Carreras, der mit dabei war, seit 1950 sein Großvater gestorben und somit ein Stuhl im Konferenzraum frei geworden war, das Studio ganz. Die Dracula-Reihe war Standard geworden und andere Filme hatten im Vergleich zu den Produktionskosten nur mäßigen Erfolg. Hammer wurde im Horror-Genre von den Amerikanern verdrängt, durch Filme wie “The Exorcist” und “Rosemary’s Baby”.

Michael Carreras versuchte dennoch weiterhin neuen Filmstoff zu etablieren, z.B. “Vampirella”, einer Comic-Verfilmung.


Mit “Vampire Circus” und “Captain Kronos – der Vampirjäger” versuchte man ebenfalls, einen neuen Dreh in die Vampirfilme zu bringen – jeder für sich etwas ganz besonderes, aber das Publikum damals war gesättigt und nicht interessiert. Aus heutiger Sicht entstanden zu dieser Zeit wahre Perlen des klassischen Horrors, auch “Twins of Evil” ist nicht nur wegen der Playmate-Zwillinge (die sogar auf Englisch synchronisiert werden mussten) sehenswert, sondern schlicht und ergreifend spannend.


Aber schon Mitte der 70er war das Spiel gelaufen, Gothic-Horror war OUT. Diese Situation führte wohl auch zu Filmen wie “Die sieben goldenen Vampire” einem wilden Genre-Mix aus Gothic-Vampir-Film (mit Peter Cushing zum letzten Mal als Van Helsing) und echtem (!) asiatischen Martial-Arts. Gerade dieser Film wurde damals sehr unterschätzt, er ist bis heute ein wahrer Geheimtip, den es seit kurzem zum Glück auch in Deutschland auf DVD gibt.



Der bis jetzt letzte Hammer-Horrorfilm ist “To the Devil… a Daughter” mit Nastassja Kinski.


Michael Carreras versuchte noch lange, neue Projekte ins Leben zu rufen, zum Beispiel einen Film über das Ungeheuer von Loch Ness… es fanden sich aber einfach keine Geldgeber mehr. Schade eigentlich…


In den 80ern hatte Hammer im Horror-Genre nichts mehr zu sagen. Die Aufmerksamkeit wurde auf das Fernsehen gerichtet. Kleine Horror-Geschichten mit schwarzem Humor wurden erzählt im “Hammer House of Horror”, produziert für den Sender ITC.


Der Ausflug ins TV war kurz und nicht sehr erfolgreich, ist aber mittlerweile legendär. Im September 2006 kommt “Hammer House of Horror” erstmals ungeschnitten in Deutschland auf DVD heraus, da kann man KOCH MEDIA wirklich dankbar sein für diese Perle. Die HAMMER STUDIO FANSITE wird sich bemühen, frühzeitig Reviews zu dieser Box schreiben zu können.